Zum Richtfest Berliner Schloß 2015

Carl Gotthard Langhans war wie seine Zeitgenossen Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff und Karl von Gontard in der Regierungszeit Friedrich Wilhelm II. intensiv an der Innenausstattung des Schlosses beteiligt. Er arbeitete besonders an den klassizistisch umgestalteten Königskammern und entwarf die Kammern (eine Raumfolge) der Königin Friederike Luise.

Am 20.–24. Juli 1950 fand der III. Parteitag der SED statt, auf dem die Sprengung des Berliner Schlosses beschlossen wurde.

Das Richtfest für die Schloßrekonstruktion (ohne Innenräume) fand am 12. Juni 2015 statt, 65 Jahre später.

 

Aus diesem Anlaß einige Zitate:

„Von eigentlich klassischen Gebäuden, die in ihrer ganzen Idee etwas wirklich Eigentümliches und vorzüglich Großartiges haben, besitzt Berlin nur zwei: das Königliche Schloß und das Zeughaus ... Sie stehen als Monumente der Kunst da und werden immer wichtiger, je weniger die Zeit imstande sein wird, sich auf so große und vollkommene Werke einzulassen.“ Umso wichtiger sei es, „die geerbten Schätze in ihrer ganzen Herrlichkeit zu erhalten, selbst in ungünstigsten Zeiten sind die hierauf zu verwendenden Mittel nie als eine überflüssige Verschwendung anzusehen, weil der zwar nur indirekte Nutzen, welcher daraus entwächst, zu allgemein und groß ist.“

Karl Friedrich Schinkel an König Friedrich Wilhelm III., 1817

 

Und dann der Schlüterhof! In der ganzen Welt wüßte ich nichts Vergleichbares an eigenwilliger Originalität zu nennen: nicht sehr groß in den Abmessungen, aber voll großartiger Gestaltung in der kraftvollen Gliederung und Dichte seiner in den gewagtesten Gegensätzen aufgebauten und gerade dadurch zu raumbindender Struktur geformten Schauseiten, denen wieder die Portale mit ihren wuchtigen Säulenstellungen und reich durchfensterten Risaliten sowie dem krönenden Schmuck ihrer Figuren rhythmische Ordnung voll unvergeßlicher Feierlichkeit verleihen. Zerstört man das Berliner Schloß, so vernichtet man eines der gestaltreichsten Kunstwerke, die unsere Welt nach so vielen Verlusten heute noch ihr Eigen nennen darf. Aus dieser Zeit um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts gibt es in Europa wenig, was diesen Bau in der Kraft und in der eindringlichen plastischen Klarheit seiner Fassadengestaltung übertreffen könnte.“

Prof. Dr. Ernst Gall, Generaldirektor der Preußischen und Bayrischen Schlösserverwaltung, 1950 (vor der Sprengung des Schlosses)

 

„Die Stadt ist nicht so reich an ehrwürdigen Bauten wie die berühmten europäischen Metropolen. Außerhalb seines trefflichen Zentrums mit den Bauten Schlüters, Knobelsdorffs, Langhans’, Gontards und Schinkels, sieht das neue Berlin nicht anders aus, wie man es von irgendeiner, übereilt vom zinssuchenden Kapital aus dem Boden gestampften Stadt irgendwo erwarten könnte.

Das Berliner Schloß steht in enger Beziehung zum Stadtbild, und das erweiterte Schloß übernahm es, die beiden Stadtorganismen, das alte Berlin-Cölln und die neuen Gründungen im Westen, miteinander zu verknüpfen. Das Schloß bildete zusammen mit den Monumentalbauten der Linden die städtebaulich bedeutendste Anlage Berlins. So ist das Schloß der Kristallisationspunkt eines Kraftfeldes geworden, den man aus dem Gefüge der Stadt nicht entfernen konnte ohne die Ordnung des Ganzen ins Wanken zu bringen. Es gibt nun eines: den Bau Schlüters und Eosanders an seinem Platze wiederherzustellen und mit ihm die große moralische Kraft, die von der Kunst Andreas Schlüters ausging.“

Prof. Dr. Margarete Kühn, Kastellanin des Stadtschlosses, 1950 (vor der Sprengung des Schlosses)

 

Was hier geschieht, ist kaltblütiger Mord. Man wird der Stadt einen anderen Namen geben müssen.

Prof. Dr. Walter Stengel, Direktor des Märkischen Museums, 1950 (vor der Sprengung des Schlosses)

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