Breslau (Wrocław)

Ehemaliger Großer Friedhof (Dawny Wielki Cmentarz)

Seit 2020: Gedenkpark für den ehemaligen Großen Friedhof in Breslau / Wrocław. Foto (c) Annette Winkelmann 2022

Carl Gotthard Langhans wurde im Oktober 1808 auf dem evangelisch-lutherischen Großen Friedhof (auch als Großer Kirchhof oder Großer Begräbnisplatz bezeichnet) von Breslau bestattet, der von den Gemeinden der Elisabethkirche, der Maria Magdalenenkirche und der Bernhardinerkirche genutzt wurde. Breslau und die (zunächst schlesisch-piastische, dann böhmische und später österreichische) Provinz Schlesien gehörten seit dem ersten Schlesischen Krieg 1742 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 zu Preußen.

     Auf dem Großen Friedhof von Breslau wurden seit 1777 vor allem Angehörige der städtischen Elite beigesetzt, wobei der östliche Teil des Friedhofs den Verstorbenen der Gemeinde von St. Maria Magdalena, der westliche Teil der Gemeinde von St. Elisabeth und der südliche Teil der Gemeinde von St. Bernhardin vorbehalten war. Das Grab von Carl Gotthard Langhans befand sich in diesem südlichen Teil. In seinem Testament hatte er seine Kinder um eine schlichte Grabstätte gebeten. Sein Grab war möglicherweise bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts verloren.

 

Zerstörung des Großen Friedhofs

 

Im Jahr 1957, nach dem Zweiten Weltkrieg und nun unter polnischer Stadtverwaltung, wurde der kaum kriegsbeschädigte Friedhof entwidmet und zerstört, die barocke Kapelle und die Grabstätten abgerissen, das Terrain eingeebnet und mit einer heute noch bestehenden Plattenbausiedlung bebaut, bzw. als wilder Parkplatz und für kommerzielle Zwecke (Kaufhallen u.ä.) genutzt.

 

Gedenkpark und Erinnerungsort für den Großen Friedhof von Breslau

 

WIELKI CMENTARZ

GROSSER FRIEDHOF

1777–1957

 

W tym miejscu znajdował się Wielki
Cmentarz założony w 1777 roku, czynny
do 1867 roku. Przecznaczony do likwidacji
w 1957 roku. Tutaj chowani byli wybitni
mieszkańcy Wrocławia.

 

An dieser Stelle befand sich der Große

Friedhof, eingerichtet im Jahre 1777

und bis 1867 als Friedhof genutzt. 1957

erfolgte die Entwidmung des Geländes.

Hier wurden herausragende Bürger

der Stadt Breslau bestattet.

 

Erfreulicherweise wurde Ende 2020 auf einem kleinen Teil des ehemaligen Friedhofsgeländes ein sehr würdiger Gedenkpark und Erinnerungsort für diesen bedeutendsten christlichen Begräbnisplatz Breslaus geschaffen. Zahlreiche Steinbänke und drei große Gedenksteine aus schlesischem (Warthauer) Sandstein laden zum Verweilen und Lesen der Texte auf polnisch und deutsch ein.

     Zwei der Gedenksteine erinnern an sieben Breslauer Persönlichkeiten, deren Gräber sich hier einst befanden, darunter Carl Gotthard Langhans. Der dritte Gedenkstein zeigt einen Lageplan des verlorenen Friedhofsareals zwischen der heutigen ul. Legnicka (Liegnitzer Straße, bis 1945 Friedrich-Wilhelm-Straße) und der ul. Braniburska (Brandenburgische Straße, um 1800 noch Magazin Straße, später dann und bis 1945 Berliner Straße).

Vogelperspektive

Das im Oktober 2022 auf Google Earth immer noch als wilder, ungepflasterter Parkplatz gezeigte Gelände wurde, einschließlich der Zufahrt von der südlich gelegenen ul. Braniborska, Ende 2020 neu gestaltet. Der Gedenkpark für den einstigen Großen Friedhof wurde in den nun geordneten und gepflasterten Parkplatz integriert und u. a. durch Baumpflanzungen von diesem abgeschirmt.

Geschichte und Lage des Friedhofs

Der Große Friedhof wurde in der Nikolaivorstadt westlich des Festungsrings auf einem Grundstück angelegt, das einst dem Ursulinenkloster gehört hatte und als Kantoreigarten bekannt war. Ein Erlaß des preußischen Königs Friedrich II. vom 13. Dezember 1775 hatte aus hygienischen und Platzgründen die Anlage vor Kirchhöfen außerhalb des Breslauer Festungsrings angeordnet, also außerhalb der heutigen Altstadt. Im Dezember 1776 wurde mit der Vorbereitung des Geländes für die Bestattungen begonnen, 1777 der Friedhof eingeweiht. Aus dieser Zeit stammte wohl auch die barocke Friedhofskapelle, die nach 1945 noch stand, wie auf Luftbildern der ansonsten zu 70% zerstörten Stadt Breslau zu sehen ist.

     Gräber auf Kirchhöfen rund um die Kirchengebäude hatten bis dahin nur für einen recht kurzen Zeitraum existiert, denn die Grabstätten wurden systematisch von Zeit zu Zeit geleert, um Platz zu schaffen. Die ausgegrabenen Gebeine wurden in kirchlichen Beinhäusern deponiert. Die Kurzlebigkeit der Bestattungen war auch der Grund für die Beliebtheit von teils aufwendigen Epitaphien an oder in Kirchen, auf denen der Verstorbenen dauerhaft gedacht werden konnte.

     Seit 1777 fanden die evangelisch-lutherischen Verstorbenen nun auf dem Großen Friedhof außerhalb der Stadt einen dauerhafteren Bestattungsort. Der Große Friedhof wurde bis 1867 genutzt, als der wachsenden Stadt die Grabstätten ausgingen und an anderer Stelle neue Friedhöfe angelegt werden mußten. Nach 1867 und bis 1945 war dieser erste moderne Friedhof Breslaus ein ummauertes Denkmal.

Fotos vom Gedenkpark (zum Öffnen und Vergrößern die Bilder anklicken)

Adresse: Zufahrt am besten bei Haus 39, ul. Braniborska, 53-680 Wrocław, Polen. Der Gedenkpark liegt zwischen ul. Legnicka (N), ul. Braniborska (S), ul. Trzemeska (W) und ul. Dobra (O).

 

Lage auf Google Maps ansehen.


Weiterführende Literatur / Quellen: https://dygresje.info/turystyka/dolny-slask/wielki-cmentarz; https://pl.wikipedia.org/wiki/Wielki_Cmentarz_(Wroc%C5%82aw); https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Friedhof_(Breslau); Burak Marek, Okólska Halina: Cmentarze dawnego Wrocławia, Muzeum Architektury we Wrocławiu, Via Nova: 2007 (dt. Übersetzung: Friedhöfe des alten Breslaus, Laumann Druck und Verlag: 2008)

 

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