Carl Gotthard Langhans

Carl Gotthard Langhans (1732–1808) war ein deutscher Baumeister und Architekt der Zeit zwischen Barock und Klassizismus. Seine Bauten und Innenräume gehören zu den frühesten Werken des Klassizismus in Deutschland. Unter König Friedrich II. wurde Langhans einflußreicher Baubeamter der preußischen Provinz Schlesien, unter dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm II. erster Oberhofbaudirektor in Berlin. Er war bekannt mit den führenden Akteuren seiner Zeit, den Architekten, Künstlern, Regenten, Politikern, Beamten sowie den adeligen Auftraggeberinnen und Auftraggebern vor und um 1800. Langhans gilt als einer der innovativsten Baumeister Preußens. Das Brandenburger Tor zu Berlin ist sein berühmtestes Werk.

 

Lebensdaten

Carl Gotthard Langhans wird am 15. Dezember 1732 in Landeshut in Niederschlesien (heute Kamienna Góra, Polen) geboren und stirbt am 1. Oktober 1808 auf seinem Gut Grüneiche bei Breslau (heute Dąbie/Wrocław, Polen).

     Mit seiner Ehefrau Anna Elisabeth Jäckel, einer Malerin, hat Carl Gotthard Langhans fünf Kinder, von denen der spätere Architekt Carl Ferdinand Langhans und die Töchter Louise Amalie und Juliane Wilhelmine das Erwachsenenalter erreichen.

 

Werk

In den Jahrzehnten seines Schaffens entstehen Kirchen, Theater, Stadtpalais, Schlösser, Herrenhäuser, Innenräume samt Ausstattung, Parkanlagen, Lust- und Staffagebauten, Brücken, Landstraßen, Industrie- und Gewerbebauten, Kasernen und Stadttore in Schlesien, Berlin, Potsdam und anderswo. Das Brandenburger Tor zu Berlin ist Langhansbekanntestes Bauwerk.

 

Werdegang

In Carl Gotthard Langhans’ Geburtsjahr 1732 ist sein Vater Gottfried Langhans Rektor der evangelischen Schule in Landeshut (heute Kamienna Góra) in Schlesien, das seit 1526 zur Habsburgermonarchie gehört. 1738 wird Gottfried Langhans langjähriger Prorektor, ab 1759 Rektor, des an der berühmten Friedenskirche gelegenen evangelischen Gymnasiums in Schweidnitz (heute Świdnica), das auch der junge Carl Gotthard besucht.

     Ab dem Jahr 1753, inzwischen gehört Schlesien als Folge der ersten beiden schlesischen Kriege zu Preußen, studiert Carl Gotthard Langhans an der Universität Halle Jura, dazu Mathematik, Geometrie, Zeichnen und Sprachen. Nach seiner Rückkehr nach Schlesien und einer mehrjährigen Tätigkeit als Privatlehrer bei adeligen Familien, gewinnt er Bauerfahrung durch Mitarbeit an Wiederaufbau- und Neubauprojekten in der durch die insgesamt drei Kriege gegen die Habsburger Monarchie stark zerstörten Provinz. Seine Befähigung zum Baumeister und Architekten erlangt er durch Eigenstudium und praktisches Tun. 1764 entwirft Langhans für Glogau seine erste Kirche, 1765 wird er langjähriger Bauinspektor des Fürsten Hatzfeld, der auch eine umfangreiche Studienreise nach Italien ermöglicht.
     Als die Leitung der obersten Baubehörde Schlesiens neu besetzt werden muß, empfiehlt der schlesische Provinzialminister Karl George Heinrich Graf von Hoym dem preußischen König Friedrich II. Langhans für diesen Posten. 1775 wird Langhans vom König als Oberbaurat in die für Bauangelegenheiten zuständige schlesische Kriegs- und Domänenkammer berufen. Diese Position schließt neben dem Hochbau auch den Landstraßen-, Brücken- und Wasserbau ein. Vor dem Amtsantritt bereist Langhans im Auftrag von Hoyms zu Ausbildungszwecken fast ein Jahr lang England, Holland, Belgien und Frankreich. Eine lange und erfolgreiche Tätigkeit als oberster Baubeamter Schlesiens schließt sich an.
     Friedrich II. stirbt 1786, und der nun bereits 54jährige erfahrene Baumeister und preußische Beamte Langhans wird von Friedrichs Neffen und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. vermehrt in Berlin mit Bauaufgaben betraut. 1788 ernennt ihn Friedrich Wilhelm II. zum ersten Direktor des neueingerichteten preußischen Oberhofbauamtes in Berlin. Dieses untersteht − im Gegensatz zum Oberbaudepartement − dem König direkt. Langhans führt den Titel „Geheimer Kriegsrat“ und ist in alle Bauprojekte des Königs involviert.

     Die Familie Langhans zieht von Breslau nach Berlin und bewohnt ein Haus in der Charlottenstraße Ecke Behrenstraße nahe dem Gendarmenmarkt.

     In den folgenden Jahren entstehen eine Vielzahl von Bauten und Innenräumen in Berlin, Charlottenburg und Potsdam. Der königliche Architekt baut jedoch weiterhin auch in Schlesien, erhält das Privileg für eine Kalkbrennerei nahe seinem Landsitz in Grüneiche bei Breslau und betätigt sich als Bauunternehmer. Er macht sich als vielseitiger Erfinder einen Namen, bringt die Bohlenbindertechnik für Dachkonstruktionen zur technischen Reife, arbeitet an der Verbesserung von Dampfmaschinen, entwickelt Aufzugs- und Theatermaschinerie und unternimmt naturwissenschaftliche Studien zur Raumakustik.

     In Berlin ist Carl Gotthard Langhans Mitglied im Senat der preußischen Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften und Lehrer an der Königlichen Bauakademie zu Berlin. Zu seinen Schülern gehören Friedrich Gilly, Karl Friedrich Schinkel und sein eigener Sohn Carl Ferdinand Langhans.

 

Langhans-Gedenkstätte im Mausoleum Massute

Das Grab von Carl Gotthard Langhans in Breslau wurde spätestens 1957 mit der Überbauung des Großen Friedhofes zerstört. Die Grabstätte seines Sohnes, Carl Ferdinand Langhans, ein Berliner Ehrengrab, befindet sich in Berlin auf dem Friedhof Jerusalems- und Neue-Kirche III, Friedhöfe vor dem Halleschen Tor. Dort wird die Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e.V. im September 2017 die Langhans-Gedenkstätte im Mausoleum Massute eröffnen und mit Ausstellungen, Führungen, Vorträgen und Lesungen an Vater und Sohn Langhans erinnern. Unterstützt wird sie dabei vom Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, in dessen Obhut sich das Mausoleum befindet.

 

 

Bildnachweise: Gipsabguß einer seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenen Marmorbüste von Carl Gotthard Langhans, Bildhauer Heinrich Bettkober (?), um 1790 (Gipsabguß: Kustodie der Humboldt-Universität zu Berlin, Photo © Annette Winkelmann 2015).

Farbiges Kreideportrait Carl Gotthard Langhans (Muzeum Narodowe, Wrocław / Nationalmuseum Breslau), hier Wiedergabe in Schwarz-Weiß.

 

Text: Annette Winkelmann

Carl-Gotthard-Langhans-Gesellschaft Berlin e.V.

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